Freiburg

Kunst erleben, Orte entdecken

Nicht nur die Ausstellung „MAL ER. MAL SIE.“ lohnt den Weg nach Freiburg. Zwischen Kunst und Alltag, Architektur, feiner Küche und gutem Wein zeigt die Stadt, dass sich Entdeckungen oft dort finden, wo man sie nicht sucht – abseits des Mainstreams

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„MEINE TIPPS FÜR FREIBURG“

IRIS VON DER TANN, ARTISTISTIC DIRECTOR LEHEL.ART

Iris von der Tann, Künstlerische Leitung von Lehel.Art, ist gebürtige Freiburgerin, hat dort studiert und mehrere Jahre mit ihrer Familie gelebt. Das Herz der Kuratorin und Kulturmanagerin schlägt bis heute für die „Hauptstadt des Schwarzwaldes“. Hier verrät sie ihre Lieblingsorte.

E-WERK FREIBURG – ZWISCHEN NEON UND NACHHALL

Wo einst Strom durch Kabel floss, fließt heute Idee und Experiment. Das E-WERK in der Eschholzstraße ist Hybrid: Galerie, Theater, Club, Atelier. Neonlicht, improvisierte Bühne und Installationen verschmelzen hier zu einer urbanen Laborlandschaft der Kreativität. Junge Künstler:innen, Performances, Musik zwischen Avantgarde und Gesellschaftspolitik – alles wirkt wie ein gelebtes Experiment. Man verlässt das Haus mit einem leisen Summen im Kopf, als hätte man selbst ein Stück Kreativität aufgesogen.
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↗ 22. -23.11. im E-Werk: Blizzard, Kompanie Onze Chambres, Künstlerische Leitung: Claire Pastier & Daniel Rakovsky, Foto: Marc Doradzillo
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↗ 21.11.-23.11. im E-Werk: Tornado's Eye. Ein zeitgenössisches Zirkusstück von David Eisele, Foto: Benedikt Löffler

 

MÜNSTERMARKT – AUTHENTIZITÄT AUF DEM TELLER

Von Montag bis Samstag pulsiert Freiburgs Herz im Zentrum: frisches Obst, Gemüse, Käse, Brot und Blumen bis hin zu badischem Wein – alles regional, alles sorgfältig ausgewählt. Mein ganz persönliches Highlight: eine „Lange Rote“ mit gebratenen Zwiebeln bei „Licht“. Die Metzgerei stellt Freiburgs Traditionswurst seit 1949 nicht nur selbst her, sondern bezieht die Rohstoffe direkt von Bauern aus dem Umland.
muenstermarkt.freiburg

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© Münstermarkt Freiburg, FWTM, Spiegelhalter
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Ausstellungsansicht, Schirin Kretschmann. TEN BY ONE, PEAC Museum, 2025 © 2025 Schirin Kretschmann und VG Bild-Kunst Bonn. Foto: Bernhard Strauss  
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PEAC Museum Freiburg, Aussenansicht ©PEAC, Foto: Bernhard Strauss

PEAC MUSEUM – KUNST IM INDUSTRIEPARK

Mitten im Freiburger Industriegebiet, zwischen Autohändlern, TÜV und Verkehrsübungsplatz, verbirgt sich ein ungewöhnlicher Schatz moderner und zeitgenössischer Kunst: das PEAC Museum – die Paul Ege Art Collection. Gründer Paul Ege, lange Geschäftsführer des nebenan liegenden Elektrounternehmens Alexander Bürkle, wählte bewusst diesen Standort, der die Verbindung von Industrie und Kunst sichtbar macht.
Die Sammlung von Paul Ege wird durch wechselnde Ausstellungen ergänzt, die ihre Themen aufgreifen. Noch bis 8. Februar 2026 präsentiert das PEAC Museum mit TEN BY ONE erstmals eine Einzelausstellung von Schirin Kretschmann mit eigens dafür entwickelten Arbeiten. Sie beweist, dass das Malerische nirgends aufhört und ästhetische Sparsamkeit eine Kunst ist.
peac.digital

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↗ Bild oben und unten © Christoph Kaiser
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↗ © Nils Böddingmeier
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RESTAURANT JACOBI – STILLE, DIE SCHMECKT

In der Herrenstraße liegt das Jacobi – ein Ort, an dem Reduktion zum Luxus wird. Holzvertäfelung, Tische aus Lavastein, weiches Licht: Alles folgt einem Prinzip – die Kunst des Essens sichtbar zu machen. Küchenchef Christoph Kaiser komponiert Teller wie kleine Ausstellungen: Rauch, Säure, Textur, präzise und bewusst gesetzt. Zwei rote Hauben und ein roter Michelin-Stern für hochwertige Küche, ein grüner Stern für Nachhaltigkeit? Folgerichtig. Wer hier speist, verlässt das Restaurant mit leisem Staunen und dem Eindruck, dass wahre Schönheit nichts Lautes braucht.
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↗ Weingut Franz Keller © Lehmann

WEINGUT FRANZ KELLER, OBERBERGEN – WEIN TRIFFT DESIGN

Das Weingut Franz Keller liegt in Oberbergen am Kaiserstuhl, nur 23 Autominuten von Freiburg entfernt. Das Familienunternehmen führt inzwischen mehrere Restaurants, darunter das legendäre „Schwarzer Adler“, ein Hotel, den Weinhandel und eben auch das Weingut. Das spektakuläre Weingutsgebäude ist ein architektonisches Statement: Mit Beton, Glas, klaren Linien und begrünten Dächern integriert es sich wie ein Chamäleon in die Terrassenlandschaft des malerischen Kaiserstuhls und und sorgt so für optimale klimatische Bedingungen bei der Entwicklung und Lagerung des Weines. Ein Besuch ist nicht nur eine Weinprobe, sondern auch ein Streifzug durch Geschmack, Raum und Licht.
franz-keller.de/weingut

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Bergkeller Franz Keller © Peter Bender
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Martin Kippenberger, Was ist denn bloß am Sonntag los?, 1982 Öl, Lack auf Leinwand, 10 Teile, je 120 x 100 cm; Cosima von Bonin, MISSY MISDEMEANOUR #2 (THE BEIGE VOMITING CHICK, MISS RILEY [LOOP #2, 2006], 2011 Rakete: PVC, Stahl, Polyester, Lack, 162 x 132 x 900 cm Küken: Mohair-Velours, Baumwolle, Vlies, 160 x 114 x 120 cm; Albert Oehlen, Adolf-Hitler-Brücke, Krefeld, 1985 Öl, Lack auf Leinwand, 280 x 200 cm; Martin Kippenberger, Political correct IV(Die Verbreitung der Mittelmäßigkeit), 1994 Öl auf Leinwand, 180 x 150 cm; © Sammlung Grässlin, St. Georgen und die Künstler*innen Foto: Wolfgang Günzel
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Albert Oehlen, Im Land der Motive brennt kein Licht mehr, [2025], 1998 Digitaldruck auf Aludibond, 135 x 225 cm, © Sammlung Grässlin, St. Georgen und die Künstler*innen Foto: Wolfgang Günzel

SAMMLUNG GRÄSSLIN – DIALOGE IM RAUM

Im unscheinbaren St. Georgen im Schwarzwald waltet eine der interessantesten Familien des Kunstbetriebs. Die Grässlins, früher bekannt für Zeitschalttechnik, öffnen mit ihrer Sammlung ein Fenster in die Gegenwartskunst. In den klaren, fast sakral wirkenden Räumen begegnen internationale Positionen einander in einem sorgfältig orchestrierten Dialog. Hier gibt es kein Getöse, keine Effekthascherei – nur Licht, Raum und Material, die den Blick auf das Wesentliche lenken. Wer die Sammlung betritt, erlebt eine intime Begegnung mit Kunst: Jede Skulptur, jedes Gemälde entfaltet sich wie ein flüchtiger Gedanke, der lange nachhallt. Ein Ausflug für jene, die Kunst nicht konsumieren, sondern erleben wollen.
Nicht verpassen: die Ausstellung „Im Land der Motive brennt kein Licht mehr“, noch bis 31. März 2027
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DAS SIEDLE HAUSEIN LOHNENDER ZWISCHENSTOPP

Für Kunst- und Architekturinteressierte spannend: das Siedle Haus, das auf der Strecke Freiburg – St. Georgen liegt und 2026 eröffnet wird. Das Unternehmerpaar Horst und Gabriele Siedle hat den Architekten Arno Brandlhuber beauftragt, einen Ort für ihre hochkarätige und umfangreiche Kunstsammlung zu bauen.
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MAL ER, MAL SIE

Artur Stoll und Olga Jakob im Museum für Neue Kunst in Freiburg. Ein Interview mit der Kuratorin Dr. Lisa Bauer-Zhao

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